Tag mit Schutzumschlag

Es ist schon 17:09 Uhr und noch ist nichts Schlimmes passiert: Im Gegenteil habe ich heute meinen Urlaubstag gut nutzen können fast so wie viele andere Leute. Gemeinsam mit meiner nun doch nicht herzkranken Mutter – die Katheteruntersuchung hat nichts ergeben und gestern wurde sie direkt entlassen – bin ich mit ihr durch unsere Kleinstadt geschlendert, haben wir ein bisschen eingekauft und unsere Oma in der Verhinderungspflege besucht. Ich klopfe im Geiste auf Holz, denn bis zur Untersuchung hat es ewig gedauert, ein Termin, der wie ein Damoklesschwert über uns hing. Gekrönt von einem Testament – nur für den Fall des Falles, falls ich liegenbleibe – äh, okay und dann die Oma, die natürlich im Altenheim nicht die Rundumpflege bekommt wie hier zu Hause und die entsprechend häufig zu besuchen ist. Hinzu kommen viele völlig ungeahnte Themen des Zusammenlebens mehrerer Generationen, von Schwiegerleuten, Schwägern und Geschwistern. Situationen, die einen plötzlich überrollen und für die man Verantwortung trägt. Es geht ums Sterben, ums Erben, um Anerkennung und noch viel mehr.

So eine Scheiße. Ich manövriere mich derzeit aber immer wieder in solche Situationen, in denen ich handlungsunfähig werde. Gestern zweite Blutspende meines Lebens. Mein Vater war auch Rhesus positiv. Oh, da ist wohl die Ader geplatzt, tut uns leid, dann verschieben wir das lieber auf Montag. Während ich meinen blau geschwollenen Arm mit der Beule darin betrachte, denke ich mir, geht Euch doch nichts an, warum ich heule, Ihr Trottel.

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