Das Haus in der Rothschildallee

Frankfurt am Main, 1900: Im Hause Sternberg stehen alle Zeichen auf Erfolg. Soeben wurde das neue Heim bezogen, wurden die Kinder in eine neue Klasse geboren und auch der Geburtstag des Kaisers präsentiert sich wie immer wundervoll. Wir erleben die Familie vom Beginn bis zum Ende des ersten Weltkrieges. So weit eigentlich nichts Besonderes, ein Roman wie jeder andere.

Was ist hier neu? Einerseits gibt es mehr Romane über den zweiten Weltkrieg als über den ersten, denn die Euphorie vor Kriegsbeginn und der freiwillige Tod für das „Vaterland“ werden hier glaubhaft dargestellt, andererseits kenne ich nicht viele Romane, die das Schicksal jüdischer Gläubiger im ersten Weltkrieg schildern. Man liest, dass Antisemitismus auch schon im ersten Krieg ein Thema war, aber alles recht heiter, denn der Schreibstil ist blumig und anekdotenhaft. Ein geistreicher Ausschnitt aus der damaligen Gesellschaft.

Stefanie Zweig: Das Haus in der Rothschildallee, 2007, 276 Seiten

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Zur Mobilität auf dem Dorfe

Nordhessen verfügt seit ca. einem Jahr flächendeckend über einen guten Anschluss an den hiesigen Bedarf des Internets. Klappt. Es geht so flott wie in Kassel Mitte. Ein Problem hätten wir also schon geklärt.

Das Nächste ist eigentlich gar keines, denn auf dem Dorf fährt man immer und unbedingt Auto, zeitnah wird der Führerschein vorbereitet und gespart, dass man mit einer kleinen „Hutschifiedel“ näher an seine Infrastruktur kommt. Dörfler haben Geschichten von ersten Autos, die nie enden und über die Großstädter müde lächeln. Das erste Auto, das ich mir nicht teile, aber das auch nicht mir gehört, ist ein recht respektabler Golf Variant aus der Zeit der Abwrackprämie – ehemals Papas Liebling. Wer hier mitliest, weiß, dass sich meine Probezeit in ca. 20 Fahrten bis ins nächste Dorf erschöpft hat, aber unfallfrei (!). Voller Angst saß ich also im Januar hinterm Steuer des Wagens, den ich zu Lebzeiten meines Vaters nicht anrühren durfte und steuere ihn mittlerweile recht passabel gen Süden, drei Dörfer weiter, wo ich einen Zuganschluss nach Kassel habe. Das ist nicht besonders ruhmreich. Ein solides Auto kann man locker über die Autobahn oder die B7 – ach, lassen wir das. So kennen mich die Busfahrer unserer Region, wenn ich nicht in den Anschluss, sondern ins Auto steige und noch immer ein sicheres Verkehrshindernis für sie darstelle. So lange ging es gut mit mir, aber auch auf dem Land ist man erfinderisch, z. B. indem man Fahrbahndecken erneuert – dringend notwendig wie in den meisten Regionen in ganz Hessen. „Vollsperrung“ ist die letzte Idee, ein kleines Stück mit großer Wirkung.

Jetzt wäre die Gelegenheit, mutiger zu sein, und in einem anderen Ort zuzusteigen, aber man kennt mich und so lasse ich mein Auto im Wohngebiet am Ortseingang, um 30 min. bis zum Bahnhof am Ortsausgang zu laufen. Ich hoffe, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht –

Röschens Flohzirkus

Warum sollte es Euch anders gehen als uns?, sagt meine Schwester. Ich kratze mich und denke an den Rat der Ärztin, jetzt nicht verrückt zu werden. Jedes Wochenende ist was anderes zu tun. Kein Wochenende bleibt ohne Aufregung. Wenigstens ist die Wohnung jetzt ordentlich, die Betten abgezogen und alle Teppiche nicht nur gelüftet, sondern auch großzügig mit Insektenvernichtungsmittel eingenebelt. Röschen, vorerst kommst Du nicht mehr ins Haus!

Unser Wildröschen

Bei deftiger Hausmannskost gibt es für das Röschen kein Halten mehr. Es wartet pünktlich zur Mittagszeit vorwurfsvoll vor der Gartentreppe auf das, was so in der Pfanne übrigbleibt, pirscht sich nah und näher, kommt bis ins Haus, verschwindet aber dann wieder. Es bleibt in der Nähe, guckt hier und da. Wir hoffen, dass wir sie morgen vor der Kälte schnappen können.

Blade Runner

Dieser Klassiker trägt eigentlich den sperrigen Titel „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“.

Es gibt ein paar Geschichten, die die Grundlage der modernen dystopischen Literatur bilden: Blade Runner gehört ganz sicher dazu. Es geht um die Frage,  ab wann der Mensch zum Menschen wird und vor welcher Existenz Respekt gewahrt werden muss. Brandaktuell in unserer Zeit, wenn Alexa und Siri gemeinsam lachen.

Toll, dass Harrison Ford als Rick Deckard auch im neuen „Blade Runner 2049“ wieder mitspielt. Ein heiterer Klassiker zum Nachdenken auch auf der Bahnschiene:

Philipp K. Dick

Blade Runner

 

Das achte Leben (für Brilka)

Simon, Stasia, Kostja, Kitty, Lana, Lascha, Miqa, Miro, Andro, Niza oder Brilka sind nur einige der Person, die in diesem Riesenroman auftauchen und deren Geschichten man mehr oder weniger verwoben zu einer einzigen hier lesen kann. Das Buch ist in jeder Hinsicht beeindruckend: Es sollte einem wegen der knapp 1300 Seiten nicht auf die Füße fallen, es ist anschaulich geschrieben, sodass man trotz der vielen Personen gut folgen kann und es verbindet viele persönliche Geschichten mit der Weltgeschichte des letzten Jahrhunderts.

Dieses Buch hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sämtliche Frauen reagieren nur auf die Geschicke, die ihnen ihre Männer aufbürden. Es geht um Verfolgung, um Revolution und Staatstreue. Selbstmord, plötzliche tödliche Erkrankungen und Vergewaltigungen häufen sich so stark, dass es kaum auszuhalten ist. Aus diesem Grund habe ich sagenhafte drei Monate mit diesem Schinken verbracht, ehe ich ihn heute endlich beendet habe und ich bin froh, dass es mit Brilka weitergehen darf, dass sie nicht plötzlich auf offener Straße in den Revolutionswirren erstochen wird oder Ähnliches. Klar, man muss ja auch die Spannung aufrecht erhalten, aber ein wenig „normales Leben“ hätte dem Roman sicher nicht geschadet. Nur eine spießige Kleinfamilie mit Eltern, die normalen Berufen nachgehen, keine Filmstars oder KPD-Größen sind und deren Liebe nicht an sich selbst scheitert.

Es ist schade, dass der Roman nichts Leichtes an sich hat, dass die Figuren zu keinem Zeitpunkt ihr Leben genießen können, sondern immer am Abgrund stehen, immer kurz davor, irgendeinem Irrtum zum Opfer zu fallen. Trotzdem ist dieses Buch eine große Empfehlung, wenn man zwischendurch Lesepausen einlegt.

Nino Haratischwili

Das achte Leben (für Brilka)

Brilka

 

Katze dazu, fertig!

Erst mal vielen lieben Dank für die große Anteilnahme zum Verschwinden unserer Katze. Unglaublich, wie schnell die Resonanz wächst, wenn etwas Niedliches ins Spiel kommt. So werde ich das jetzt immer handhaben. In meinen Texten kommt jetzt mindestens eine Katze vor!

Aber im Ernst: Ich hatte schon befürchtet, dass wir uns ganz falsch ihr gegenüber verhalten haben. Ein Monat voller Wollknäule, lecker Essen und gutem Zureden können doch nicht einfach so vergessen werden. Gestern Abend hat sie sich dann wieder bitten lassen. Es ruft von unten: „EURE KATZE SITZT HIER!“ Und wir rennen wie der Blitz nach unten, beladen mit Katzenwürstchen, Knäulen und Häuschen, damit das Röschen wiederkommt und es kam! Es war unentschlossen, ob es denn bleiben sollte und wollte nicht ins Haus, aber es wird auch so schnell nicht weggehen. Wir sind froh.

Röschen ist weg

Hoffentlich kommt sie wieder, sonst vermute ich, dass diese ewige Pechsträhne einfach kein Ende nimmt. Seit Anfang der Woche, genauer gesagt, als die Temperaturen stiegen, hat es sich über das Vordach aus dem Staub gemacht, hatte vorher schon immer mal um die Ecke geguckt, mit zitternden Knien und kalten Pfoten aber schnell wieder hereingekommen. Naja, ist ja „Bölzerzeit“, wie man bei uns sagt.

Ali und Nino

Die zauberhafte Geschichte eines Liebespaares, das Welten verbindet: Ali und Nino leben in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Er ist Muslim, sie ist Christin. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Besonderheit, aber auch heute noch vermisst man Parallelen, wo eigentlich längst welche sein müssten. Alles in allem eine tolle Erzählung, die etwas klischeehaft daherkommt, die aber Fragen aufwirft, sich mit der Region und den Menschen zu beschäftigen. 2016 wurde sie verfilmt und zeigt sich reichlich dramatischer:

Ali und Nino, Kurban Said, 1937