9,9 Benzoljahre

Als wir von der Berufskrankheit 1318 hörten, dachten wir, dass wir doch den Fall unseres Papas auch mal vorlegen könnten. Die erste Ablehnung vor ein paar Monaten war ein Formschreiben, bla, bla, ergibt 6 Benzoljahre, knapp daneben an der Anerkennung, aber auch vorbei, bla, bla, tut uns leid.

„Benzoljahr“ ist die verkürzte Bezeichnung für eine Belastung, die eine Person durch Benzol hatte. In den flotten 60er und 70er Jahren war Benzol ein Allroundhelfer. Handwerker wuschen sich munter die Hände im Verdünner, um Farbreste loszuwerden. Über chemische Belastung und „bio“ haben damals alle herzlich gelacht. Ein Widerspruch später und eine Auflistung mit Beginn der Ausbildung zum Maler und Lackierer ergibt obiges Ergebnis und damit die sofortige Aufnahme in die „List of fame“ der Berufskranken.

Ein wichtiger Tipp in diesem Zusammenhang – das Risiko für Berufskrankheit endet nicht beim Rentenbeginn. In der heutigen Gesellschaft haben die Menschen vielleicht auch mehrere verschiedene Jobs, von denen einer irgendwann eine Form der Belastung aufwies. Bei einem Autolackierer liegt es auf der Hand, dass die Leukämie nicht von der frischen Luft gekommen ist, aber unser Papa hat schon in den 90ern mit Lacken auf Wasserbasis gesprüht. Die jungen Jahre waren demnach ausschlaggebend für die Erkrankung. „Bio“ ist also doch nicht so schlecht.

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