Leukämie 2.0

Das letzte verlängerte Wochenende war ein Arschloch, denn schon am Mittwochnachmittag kam unser liebes Röschen völlig verwahrlost aus dem Garten zu uns angetorkelt umgeben von zig Fliegen und dem Tode näher als dem Leben. Schnell geschnappt, ab zum Tierarzt. Die nette Tierärztin hat sich sofort Zeit für sie genommen, hat ihr eine Aufbauspritze mit Antibiotika und Schmerzmitteln gegeben und hat eine vereiterte Gebärmutter festgestellt. Die Katze müsse sofort operiert werden. In einem früheren Beitrag hatte ich bereits Röschens Frühlingserwachen geschildert und die Frage gestellt, ob denn nun Nachwuchs zu erwarten war.

Am Donnerstag um 8.00 Uhr wurde das Tier dann bis ca. 11.30 Uhr operiert, kritischer Zustand, aber geschafft. Sie lebte und nun war es an uns, sie gut zu pflegen und ihr die Antibiotika zu verabreichen. Ein kleines Fellbündel von 2,5 kg, das nicht fraß und trank. Die Wunde sah allerdings gut aus. Während der OP dann zu Hause ein lauter Schrei aus dem Garten, dass bei 30 Grad Hitze nun auch drei kleine Tigerkätzchen in einer Komposttonne gefunden wurden – natürlich tot. Die musste sie dort heimlich zur Welt gebracht haben. Zitternd waren die Kleinen längst begraben, als wir unsere halb narkotisierte Katze abholten.

Am Freitag um 9.30 Uhr Kontrolle, zur Sicherheit noch mal Fieber messen und Blutentnahme. Nachmittags der Anruf: Bevor das Blut ins Labor geschickt würde, wäre es ratsam, einen Schnelltest für FIV („Katzenaids“) und FelV („Katzenleukämie“) durchzuführen, denn das Blut hätte eine gelbliche Färbung, was typisch für diese Krankheitsbilder sei. Okay, machen wir. Zwischendurch messen wir selbst noch mal die Temperatur und natürlich 40,3 Grad – etwa vergleichbar mit dem menschlichen Körper. Katzen haben nur eine etwas höhere Temperatur, was wir vorher auch nicht wussten. Also wieder zum Tierarzt bei 30 Grad Hitze am Brückentag, bei dem sich jeder große Hund aus der Region auf den Weg zum Arzt gemacht  hat und unser Röschen zusätzlich bis an den Rand ihrer Kräfte brachte. Sofort 2 Kanülen Kühlung, Linderung folgt sogleich und wieder ab nach Hause.

Am Samstag Kontrolle um 10.30 Uhr, wieder messen und wieder erhöhte Temperatur. Wir haben kaum geschlafen, haben dem Tier alle flüssigen Nahrungsmittel angeboten – leider ohne Erfolg. Ein zusätzliches Antibiotikum kommt hinzu. Tut uns leid, Röschen. Ernährt wird mit Spritze und Pipette. Sie lässt es sich gefallen, nimmt aber nichts von alleine. Wieder nach Hause, abends der Anruf mit den Blutergebnissen. Leber, Niere, FIV, FelV, alles hinüber, die Krankheiten sind beide ausgebrochen. Die Ärztin bietet vieles an, wir entscheiden uns für einen weiteren Tag, weil ihr die Antibiotika kurze Zeit helfen und wir an Wunder glauben.

Sonntagmorgen war es relativ munter, die Nacht war lang, aber es geht zunehmend schlechter. Das Wetter wird schon wieder heiß und die Fellnase liegt nur noch, 40,1 Grad Fieber, letztes Mittel Fiebersenker Novaminsulfon, weitere Schleckerlis, die sie widerwillig annimmt. Um 19.00 Uhr müssen wir gemeinsam die Segel streichen, um 19.20 Uhr öffnet die nette Tierärtzin das Fenster und lässt die winzige Katzenseele fliegen. Einen Tag später muss das Tier erneut begraben werden. Die Erde war zu trocken. Vermutlich ein Waschbär.

Röschen, Dein Päckchen konnte keiner ahnen. Ein ulkiges Kätzchen, das sich nicht alles hat gefallen lassen – das nun oben von einem menschlichen Opa mit Kippe im Mundwinkel empfangen wird und der sich missmutig um die ganze Rasselbande kümmern muss.

Röschen

13 Kommentare zu „Leukämie 2.0

  1. Wie traurig!- Mein Kater hat gerade auch eine große Krise hinter sich. Wasser in der Lunge. Sein schwaches Herz kommt mit dem Tropenklima da draußen nicht klar. Er scheint über den Berg zu sein …Ich kann das alles so nachfühlen ….

  2. Leider weiß ich nur allzu gut, wovon du sprichst und was Ihr gerade empfindet! Aus den selben Gründen haben wir ebenfalls mehrere von allen geliebte Katzen und Kater auf unserem kleinen Katzenfriedhof nahe dem Haus unter einer 400 Jahre alten Linde liegen. Deine Geschichte hat uns wieder ganz intensiv an sie denken lassen – und natürlich auch an Euer Röschen …

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