Besinnliches zum Wochenende

DankeNochmal ein herzliches Dankeschön an Mme Flamusse, die ihre Bücher an uns verschickt hat und die uns sehr gefallen. Hier möchten wir näher darauf eingehen: Die Bücher von Angelika von Aufseß werden in einem kleinen Schuber geliefert. Eines ist leer, im anderen werden 26 Arten genannt, wie man ein Tagebuch führen kann. Das geht ganz geregelt, also jeden Tag mit Datumseintrag oder es ist möglich, immer dieselben Wortanfänge sequentiell zu nutzen, z. B. „Ich erinnere mich an …“, um in ein flüssiges Schreiben zu kommen, es geht natürlich öffentlich oder chaotisch. Man kann jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen unter Zwang drei Seiten vollschreiben, etc. Die Grenzen können dabei oft fließend sein, d. h. je nach Lust und Laune schreibt man nur Stichwörter auf Zettelchen.
Wirklich interessant ist, dass die Autorin über ihre eigenen Tagebücher auf das Verfassen literarischer Texte gekommen ist und damit vormacht, was wir schon ahnten. Wenn wir irgendwann gut werden wollen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als immer wieder loszulegen.

Dans La Galeriefest

Seit einigen Jahren veranstaltet unsere Südstadt ihr Galeriefest, das mittlerweile kostenfrei zu besuchen ist und an der sich mal mehr, mal weniger Galerien beteiligen. In diesem Jahr ist die Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Künstlern zu bewundern.

Livepainting vor der Galerie Rasch

Es ist alles sehr schön improvisiert – also nicht zu gentrifiziert und wir sind stolz, dieses Event in unserer näheren Umgebung zu wissen.

Für alle Kunstinteressierten und diejenigen, die einfach mal stilvoll tiefer ins Glas gucken wollen, besteht noch bis zum 13. Mai die Möglichkeit. Hier das Programm:

DieGalerien

Kunst auf dem Friedhof – Der Friedhof als Kunst, Teil II

Teil I wurde bereits am 25.05. verfasst. Hier haben wir von unserem Besuch in der Künstlernekropole Kassel berichtet. Heute bei besinnlichem Regenwetter folgt nun der versprochene zweite Teil.

Die weiteren Arbeiten der Künstler nehmen wir in der Atmosphäre des Ruhigen und Kontemplativen auf. Die Sonne scheint vorsichtig durch die Äste, wir wandern um den Blauen See und lassen uns von den Irritationen in der Natur überraschen.
Blalla W. Hallmann bietet uns ein Bild. Wettergeschützt hat er es in einem Glaskasten fest an einem Baum gebunden und wir sehen es wie in einem Aquarium.

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Blalla W. Hallmann – Abendtreffen an der Lichtung

Alle Werke sind bereits im Dickicht des Waldes versteckt und da wir vorläufig keine Arbeiten mehr finden, beschließen wir, uns auf den Rückweg zu begeben. Damit schlagen wir den richtigen für weitere Kunst ein. Ugo Dossis „Denk-Ort“ steht mitten auf einer freien Wiese, umgeben von hohem Gras und vielen Blumen. Auf den zweiten Blick sehen wir auch „La vita corre come rivo fluente“ und versuchen, die Zahlen richtig zu kombinieren.

Ugo Dossi - Denk-Ort (2003)
Ugo Dossi – Denk-Ort
Rune Mields - La vita corre come rivo fluente (1992)
Rune Mields – La vita corre come rivo fluente

Den Abschluss bilden die Werke von Timm Ulrichs, dessen Füße im Waldboden kaum mehr zu sehen sind und von Fritz Schwegler.

Timm Ulrichs - Kopfstehendes Hohlkörper-Denkmal II (1972/80/90)
Timm Ulrichs – Kopfstehendes Hohlkörper-Denkmal II

Mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet, haben wir diesen Ort sehr positiv und lebensfroh erlebt. Gerade weil die Landschaft hier nicht zusätzlich kultiviert wurde, hatten wir als Besucher das Gefühl, auf etwas ganz Neues, bisweilen Magisches zu stoßen, das nichts mit unseren gängigen Friedhöfen gemeinsam hat.

 

 

 

Kunst auf dem Friedhof – Der Friedhof als Kunst, Teil I

Sonntag, der 25. Mai 2014. Die Menschen sind entweder im Garten oder im Café und lassen sich von der Sonne nach draußen locken. Oder sie sind am verkaufsoffenen Sonntag im Einkaufszentrum, lassen sich von der Klimaanlage nach drinnen locken. Einige wenige gehen auch wählen. Wir haben uns entschieden, einen kleinen Ausflug zur Künstlernekropole im Habichtswald bei Kassel zu machen. Wenig bekannt und besucht, auch von uns nur irgendwo im Hinterkopf präsent, wäre das doch ein netter Zeitvertreib. Also erstmal hier geschaut, Sachen gepackt und losgefahren.

Nach einem kurzen Wanderausflug sind wir am Blauen See. Der Name ist schon vielversprechend und dazu eine schöne, unauffällige Umgebung für so ein Projekt. Sofort fällt uns Werner Ruhnaus „Spielraum“ ins Auge. Acht Holzstelen stehen paarweise um eine kleine steinerne Grube. Es erfüllt seinen Zweck(?),wirkt wie ein kleines Theater, aber die künstlichen Schrumpfköpfe auf den Holzstelen wirken befremdlich…Aber wir sind ja schließlich auf einem Künstlerfriedhof, das darf sein.

Werner Ruhnau - Spielraum
Werner Ruhnau – Spielraum
Werner Ruhnau - Spielraum
Werner Ruhnau – Spielraum
Die Normtabelle am Spielraum
Fundstück: Das Umfeld wird ökonomisiert 😉

Nach einigen Schritten sehen wir das nächste Objekt, Heinrich Brummacks „Vogeltränke“. Der Name ist Programm, nur entsprechend große Vögel gibt es in unseren Breiten nicht. Oder sind andere Vögel gemeint, Zweibeiner, die sich dort sammeln und rasten können?

Heinrich Brummack - Vogeltränke
Heinrich Brummack – Vogeltränke
Heinrich Brummack - Vogeltränke
Heinrich Brummack – Vogeltränke

Dann ist die zukünftige Grabstätte von Karl Oskar Blase wohl der Beobachter des Ganzen. Ein großes Auge aus Beton auf einer Betonsäule mit dem Namen „Momentum“. Es wirkt ernster als die vorigen beiden Kunstwerke, macht nachdenklich. Das ist sicher beabsichtigt, jedoch macht das gute Wetter dem Auge bald einen Strich durch die Rechnung (Sind wir verrückt, einer Betonskulptur eine Absicht zu unterstellen? Beeinflusst uns das warme Wetter? Oder der Ort?) und lässt uns weiterziehen.

Karl Oskar Blase - Momentum
Karl Oskar Blase – Momentum
Karl Oskar Blase - Momentum
Karl Oskar Blase – Momentum
Karl Oskar Blase - Momentum
Karl Oskar Blase – Momentum

Nun sind wir voll angekommen, spüren eine gewisse Atmosphäre, staunen und freuen uns, hier zu sein. Und die andere Hälfte liegt noch vor uns…